Allein auf dem Jakobsweg: Petra Baumanns Geschichte | Iacoboom
Unterwegs auf dem Jakobsweg
Allein auf dem Jakobsweg starten: Petras Geschichte
Petra Baumann erzählt, wie sie allein startete, andere Pilger kennenlernte und ihre Erinnerungen in Der Innere Camino verwandelte – ein Workbook für den Weg.
Cover von Der Innere Camino von Petra Baumann. Von der Autorin bereitgestellt und mit ihrer Erlaubnis für diesen Artikel verwendet.
Vor ihrem ersten Camino empfand Petra Baumann Vorfreude und zugleich Zweifel. Sie wollte wandern, dem Meer nahe sein und Zeit finden, sich selbst zuzuhören. Sie startete allein. In Erinnerung geblieben sind ihr Gespräche in Herbergen, Menschen, die einige Stunden an ihrer Seite gingen, und stille Momente, aus denen später ihr Buch Der Innere Camino entstand.
In diesem schriftlichen Interview für Iacoboom erzählt Petra, was es für sie bedeutete, allein auf dem Jakobsweg zu starten, wie sie andere Pilger kennenlernte und warum sie ihre Notizen in ein Workbook verwandelte, das Menschen auf ihrem eigenen Weg begleiten soll.
Die Antworten wurden auf Grundlage der deutschen und englischen Texte von Petra gekürzt und redaktionell bearbeitet. Die geschilderten Erfahrungen sind persönlich.
Ein Buch weckte ihre Lust, loszugehen
Iacoboom: Was hat dich zu deinem ersten Camino bewegt?
Petra: Ich glaube, mein Camino begann lange bevor ich wusste, dass ich ihn einmal gehen würde. Ich las The Pilgrimage von Paulo Coelho und tauchte in seine Geschichte ein. Seine Erlebnisse, Zweifel und Begegnungen berührten etwas in mir. Als ich das Buch schloss, dachte ich: Das möchte ich auch erleben.
Ich sehnte mich immer mehr nach dem Meer, nach Ruhe und nach der Einfachheit des Unterwegsseins. Außerdem brauchte ich Raum für eine Frage, die ich schon lange mit mir trug: Wer bin ich eigentlich?
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Ich hatte Zweifel, ob ich es schaffen würde. Doch irgendwann wurde meine Sehnsucht größer als meine Zweifel, und ich entschied mich für den Camino Portugués als meinen ersten Camino. Damals wusste ich noch nicht, wie viel er mir bedeuten würde.
Allein starten und unterwegs Gesellschaft finden
Iacoboom: Bist du allein gestartet? Wie hast du andere Pilger kennengelernt?
Petra: Ich bin meinen ersten Camino allein gestartet, und ja, ich war ein wenig nervös. Aber ich spürte auch, dass ich diesen Schritt gehen musste.
Ich begegnete anderen Pilgern ganz natürlich: auf dem Weg, in den Herbergen, während der Pausen und beim Essen. Manchmal gingen wir ein paar Kilometer gemeinsam, manchmal trafen wir uns auf einen Kaffee. Ein Gespräch konnte eine Stunde dauern und mich noch viel länger begleiten.
Diese Begegnungen hatten etwas Besonderes. Wir waren Menschen mit Rucksäcken, die in dieselbe Richtung gingen. Die Gespräche fühlten sich offener an, vielleicht weil alle ein Stück ihres Alltags hinter sich gelassen hatten.
Während meines ersten Camino begann ich auch, auf Facebook zu schreiben. Zunächst war es für meine Familie und Freunde. Später teilte ich einige Erlebnisse in einer Gruppe zum Camino Portugués. Dann geschah etwas Unerwartetes: Pilger, die meine Beiträge gelesen hatten, sprachen mich unterwegs an.
Ich wollte eigentlich nur meine Erinnerungen bewahren. Ich hatte mir nie vorgestellt, dass meine Worte auch andere Menschen auf ihrem Camino begleiten könnten.
Begegnungen, die über Santiago hinaus bleiben
Iacoboom: Gibt es eine Begegnung, an die du dich besonders erinnerst?
Petra: Ich könnte nicht nur eine auswählen. Einer dieser Menschen war Marion. Ich ging nur einen halben Tag mit ihr, aber ich habe sie nie vergessen.
Sie konnte zuhören. Beim Gehen erzählte ich ihr persönliche Dinge, und sie war einfach da. Sie hörte aufmerksam zu, ohne alles lösen zu wollen oder mir ungefragt Ratschläge zu geben.
Wir verabschiedeten uns, und ich dachte, unsere Begegnung sei vorbei. Doch in Santiago trafen wir uns wieder. Mit anderen Pilgerfreunden gingen wir auf die Dächer der Kathedrale und aßen später gemeinsam ein Eis.
Als wir uns verabschieden wollten, holte Marion Lesezeichen hervor. Sie hatte für jeden von uns eines ausgewählt. Auf meinem standen Worte darüber, auch aus den Steinen auf dem eigenen Weg etwas Schönes zu bauen. Das berührte mich sehr. Wir waren nur wenige Stunden gemeinsam gegangen, und doch hatte ich das Gefühl, dass sie etwas Wichtiges von mir verstanden hatte.
Ich erinnere mich auch an zwei spanische Pilger, einen Vater und seinen Sohn, denen ich auf dem Camino Primitivo begegnete. Es war ein schwieriger Tag mit Schlamm, Anstiegen und Abstiegen, und ich war müde. Wir hatten kaum eine gemeinsame Sprache, aber sie drehten sich immer wieder um, um zu sehen, ob es mir gut ging. Sie respektierten mein Tempo und drängten mich nicht, schneller zu gehen.
In Lugo trennten sich unsere Wege, und ich sah die beiden nie wieder. Trotzdem erinnere ich mich noch an sie. Marion zeigte mir, wie wertvoll Zuhören ist. Die beiden Pilger zeigten mir, dass man jemanden auch ohne viele Worte begleiten kann.
Gemeinsam gehen und Zeit für sich behalten
Iacoboom: Wie hast du Gesellschaft und Zeit allein miteinander verbunden?
Petra: Ehrlich gesagt habe ich das nicht geplant. An manchen Tagen genoss ich es, mit anderen Pilgern zu gehen: Wir redeten, lachten und teilten manchmal einfach die Stille.
Es gab aber auch Momente, in denen ich in meinem eigenen Tempo gehen wollte, ohne zu reden, mit dem Blick auf die Landschaft und die gelben Pfeile. Mit der Zeit lernte ich, diese Ruhe zu schätzen.
Besonders gern mochte ich die Abende und Nächte. Nach dem Wandern konnten wir zusammen essen, lachen und über den Tag sprechen. Danach kam die Stille: der Moment, die Beine auszustrecken und zu spüren, dass ich für diesen Tag angekommen war.
Für mich ergänzen sich Gesellschaft und Zeit allein. Begegnungen geben mir etwas, und das Alleinsein gibt mir Raum, dem nachzuspüren und es zu verstehen. Zum Lernen gehörte auch, zu erkennen, wann ich Gesellschaft wollte und wann ich mein eigenes Tempo brauchte.
Was sie jemandem sagen würde, der Angst hat, allein zu starten
Iacoboom: Was würdest du jemandem raten, der vor dem Start nervös ist?
Petra: Zuerst würde ich sagen: Hab keine Angst davor, Angst zu haben. Ich kannte dieses Gefühl auch. Vor dem Start wusste ich nicht, wie es sein würde, so viele Kilometer zu gehen, was der nächste Tag bringen würde oder wie ich mich mit so viel Zeit für mich selbst fühlen würde.
Ich war oft für mich, fühlte mich aber selten wirklich allein. Manche Menschen gingen ein paar Kilometer mit mir, andere setzten sich beim Abendessen neben mich und wurden Teil meiner Reise.
Ich entdeckte auch, dass Alleinsein nicht unbedingt bedeutet, sich einsam zu fühlen. Ich konnte anhalten, wann ich wollte, in meinem Tempo gehen und meinen Gedanken zuhören. Anfangs war die Stille ungewohnt. Später lernte ich, sie zu genießen.
Ich würde nicht versprechen, dass die Angst verschwindet. Bei mir half das Weitergehen, Schritt für Schritt, ein Vertrauen in mich selbst zu entdecken, das ich vorher nicht kannte.
Iacoboom: Wie entstand dein Buch, und was bietet es Pilgern?
Petra: Nach meinen Caminos hielt ich meine Notizen in den Händen: Gedanken, Erinnerungen, Begegnungen und Fragen, die unterwegs aufgetaucht waren. Es gab kleine Momente, die ich nicht vergessen wollte. Ich spürte, dass all das nicht einfach in einer Schublade bleiben sollte.
Was mir blieb, waren die Menschen, die Gefühle, das Lachen, der Geruch des Meeres und die stillen Momente. So entstand Der Innere Camino - Dein Workbook für den Weg nach Santiago und zu Dir selbst.
Es ist das Buch, das ich gern auf meinen ersten Camino mitgenommen hätte: ein Begleiter mit Geschichten, Reflexionen, Pilgerbriefen, Fragen und Schreibimpulsen. Ich möchte Raum zum Innehalten, Nachdenken, Schreiben und Erinnern anbieten. Jeder Mensch geht seinen eigenen Camino und nimmt etwas anderes davon mit.
Ich würde mich freuen, wenn jemand es auf seiner Reise nutzt und Jahre später wieder aufschlägt, um sich an einen Sonnenaufgang, das Lachen eines anderen Pilgers oder einen schwierigen Tag zu erinnern, den er schließlich geschafft hat.
Wo du Petra und ihr Buch findest
Der Innere Camino - Dein Workbook für den Weg nach Santiago und zu Dir selbst, von Petra Baumann.
Das Buch ist auf Deutsch geschrieben und unter der ISBN 9783695696482 im Buchhandel und online erhältlich.
Mehr über Petras Projekt findest du auf ihren Social-Media-Kanälen:
Iacoboom: Was hat dich an der Plattform angesprochen?
Petra: Mir gefiel die Idee, Pilger schon vor dem Start miteinander zu verbinden und Menschen zu finden, die vielleicht etwa zur selben Zeit denselben Weg gehen. Wer allein startet, kann so schon vor der Reise ein Gefühl von Gemeinschaft bekommen.
Ich finde es auch schön, Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenzubringen. Und ich habe mich gefreut, dass ihr meinen Vorschlag aufgenommen und Deutsch so schnell ergänzt habt.
Jetzt werde ich mir Zeit nehmen, Iacoboom richtig auszuprobieren. Danach kann ich euch genauer sagen, was gut funktioniert und was Pilgern noch mehr helfen könnte. Ich fände es schön, wenn aus einem digitalen Kontakt eine echte Begegnung auf dem Camino wird.
Diese Aussagen beschreiben ihren ersten Eindruck. Zum Zeitpunkt dieses Interviews hatte Petra die Plattform noch nicht ausführlich getestet.
Wenn du deinen Camino planst und andere Pilger kennenlernen möchtest, kannst du auf Iacoboom nach Mitpilgern suchen. Petras Geschichte erinnert uns daran, wie wertvoll Menschen sein können, die unser Tempo respektieren, während wir zugleich Zeit für uns selbst behalten.
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